Mit Dreamin‘ fing alles an

Gäbe es eine Top Five der Orte für Bandgründungen wären Unikneipen sicherlich ganz oben dabei. Doch verlaufen die meisten bierseligen Schwüre, die Popwelt zu revolutionieren, am nächsten Morgen im Sande. Aber es gibt auch Geschichten von Musikern, die sich finden und merken, dass sie musikalisch füreinander geschaffen sind. So war es jedenfalls bei Sänger Oku und Gitarrist Sepp, denn schon am ersten Abend schrieben sie zusammen den Song „Dreaming“. „Ich war damals noch DJ und habe unseren Song natürlich auch mal ausprobiert. Als er gut ankam, haben wir uns entschlossen, eine richtige Band zu gründen“, erinnert sich Sänger und Frontmann Oku an die ersten Schritte. Bei der Suche nach fähigen Musikern kam der Band der Standortfaktor zu Gute, denn die Uni Landau bildet Musiklehrer aus. „Am Anfang haben wir das Projekt wirklich nur zum Spass gemacht und wussten deshalb auch gar nicht, was alles auf uns zu kommen würde“, erzählt Oku und schüttelt versonnen den Kopf.

Einfach die eigene Schublade schaffen

Doch wer an diesem Punkt der Geschichte sagt, es wäre doch eine ganz normale Geschichte einer ehemaligen Studentenband, liegt völlig falsch. Denn welche Newcomerband kann denn von sich behaupten, sich ihre eigene Schublade selbst geschaffen zu haben, noch bevor ein Musikjournalist ihr eine aufzwingen konnte? „Wir machen Reggaerock", erklärt Oku die eigene Musik gerne. Doch wie kommt man bei einem Kneipenabend auf ein eigenes Genre? Die Erklärung ist einfach. Oku kam erst mit 20 Jahren aus Nigeria nach Deutschland. Bis zu diesem Zeitpunkt war sein musikalisches Interesse von der Reggaeszene in dem afrikanischen Land geprägt. „Europäische Musikrichtungen habe ich erst in Deutschland kennengelernt, aber von der Rockmusik war ich sofort beeindruckt“, lacht der sympathische Sänger. Mitgründer und bis heute Produzent Sepp ist dagegen ein echter Rocker mit Gitarre und Lederjacke. Durch die Offenheit für Neues vermischten sich die Einflüsse und es entstand Reggaerock.

Einfach live Musik machen

Der Umstand, dass da etwas Neues entstand, stieß auch bei den Musikfans auf viel Interesse. Schon das erste Konzert in einer kleinen Kneipe war mit mehr als 500 Gästen völlig überlaufen und das ohne große Werbung. „Konzerte sind voll unser Ding und wir scheinen ja auch ganz gut anzukommen“, gibt sich Oku angesichts der offensichtlichen Erfolge sehr bescheiden. Inzwischen haben sie schon als Supportband von Bands wie Silbermond oder The Rasmus gespielt. Ihr im Wohnzimmer produziertes Debütalbum Dreamin‘ (2006) und den Nachfolger Musopia (2008) verkauften sie allein bei Konzerten über mehrere tausend Mal. Und sind wir mal ehrlich, gibt es ein größeres Kompliment für eine Band, wenn sie es mit einer halben Stunde Reggaerock schafft, Menschen von sich und ihrer Musik derart zu überzeugen? Soviel Aufmerksamkeit bleibt natürlich auch den Labeln nicht verborgen und als Sänger Oku 2009 auch noch Kandidat bei Schlag dem Raab war, flatterten einige Angebote ins Haus. „Viele Anfragen, die wir bekommen haben, waren eher auf schnellen Erfolg ausgerichtet und wir sehen uns doch eher als ein langfristiges Projekt“, schüttelt Oku den Kopf. Schnelles Geld war für die acht Musiker nie eine Verlockung, darum gründeten sie einfach ihr eigenes Label namens Musopia Music. „Wir sehen uns einfach als Clique, die gemeinsam in die Zukunft marschiert. Unser größter Traum ist eigentlich sehr einfach, wir wollen auch in 30 Jahren noch gemeinsam Musik machen“, lautet das geschlossene Statement der Band.

Willkommen in der Schublade Reggaerock

Fragt man Oku nach musikalischen Inspirationsquellen, bekommt man zwei sehr ungewöhnliche Antworten: „Beatsteaks“ und „Jan Delay“. Musikalisch haben die aber nicht viel mit Reggaerock gemeinsam? „Für mich zählt deren Haltung und ihre Art Musik zu verstehen“, erklärt der Sänger Oku dem verblüfften Zuhörer. Ähnlich wie die Beatsteaks passt die Band selbst weder in die Schublade „Reggae“ noch in die Schublade „Rock“. „Die Jungs kamen auch live immer super an und haben sich einfach über gute Konzerte in die Musiklandschaft gespielt. Mit einer solchen Karriere kann ich mich sehr identifizieren.“

Hoffnung auf Parallelen kann sich die achtköpfige Band sicherlich machen. Das Feedback nach den Shows ist gewaltig, so mancher Fan hat schon am Merch-­‐Tisch der Band seine starken Gefühle für ihre Musik gestanden. Gelegenheit macht Liebe, in dieser Textzeile aus dem Song „Voodoo“ steckt viel Wahres.
Die Erklärung zur zweiten Inspirationsquelle Jan Delay klingt ebenso einleuchtend: „Ich mag einfach seine Art immer mit einem großen Augenzwinkern die Texte zu schreiben“. Auch wenn natürlich ihre Texte sehr humorvoll sind und die Musik zum Tanzen einlädt, versteht sich die Band trotzdem nicht als Partyrocker oder gar Vertreter des Sunshine-­‐Reggaes. Viel mehr ist es Kunst, die noch weit über dem Spass in den Ansprüchen der Musiker steht. „Es geht um Selbstbehauptung und die Möglichkeit sein Ding zu machen“, beschreibt Oku die Themen seiner Songs. Dabei sind es eher persönliche Erlebnisse und Geschichten, die Oku erzählen möchte. „Wir haben natürlich auch sozialkritische und politische Texte, aber unser Fokus ist eher auf den Individualisten und seine Gedanken gerichtet“, erklärt der Sänger.

Doch wie schreiben eigentlich acht Musiker, die sich als Individualisten sehen, gemeinsam Songs? Da müsste eigentlich Chaos vorprogrammiert sein. „Es haben sich einfach Kompetenzen herausgebildet und jeder bringt seine Stärken ein, darum funktioniert es bei uns wunderbar. Das wir keine reine Zweckgemeinschaft, sondern wirklich dicke Freunde sind, spielt dabei natürlich auch eine große Rolle“. Wie sieht es jetzt noch mit den Zielen der Band aus? „Es geht nicht um CD-­‐Verkäufe oder Chart-­‐Platzierungen, das ist eher nettes Beiwerk. Für uns geht es darum, jedes Jahr etwas besser zu werden“, beschreibt Oku einen ganz sportlichen Anspruch.

Gut dann halten wir mal fest: Oku sitzt zwischen den Stühlen, auf einem bequemen Sofa namens Reggaerock, live brennen sie ein wahres Feuerwerk ab, das man aber auch auf CD gut genießen kann. Glauben Sie uns nicht? Dann legen Sie doch auf der Fahrt nach Hause mal Oku ein....